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Die Feder gegen Fanatismus und Intoleranz kann nicht spitz und scharf genug sein. Hubertus Franzen

Presse

Interview mit Peter Korfmacher, Feuilletonchef der Leipziger Volkszeitung

Korfmacher
Sie haben zwei Romane Zauberflöte Merkel  und Oktoberfest gleichzeitig ins Netz gestellt, zu kaufen bei Amazon, Hugendubel, Thalia und Lehmanns, 7 weitere werden in kurzen Zeitabständen folgen. Sie, der ehemalige Musikchef des Mitteldeutschen Rundfunks, überraschen mich.

Franzen
Nicht 7 Romane, die  nach und nach als Print-Bücher auf den Markt kommen, Zauberflöte Merkel  ist ab 20. Dezember diesen Jahres, also 2014, gedruckt zu kaufen, sondern bis März 2015 mindestens 12 von 44 Romanen, die ich ab 2002, geschrieben habe.

Korfmacher
Einer der Romane trägt den Titel Hitlers Päpste. Wollen Sie die katholische Kirche herausfordern?

Franzen
Die katholische Kirche ist immer mit den Mächtigen ins Bett gegangen, zuerst mit Konstantin I., dem ersten christlichen Kaiser des Imperium Romanum, der seine Frau Fausta ebenso ermorden ließ wie seinen Sohn Crispus, und der sich erst auf dem Sterbebett im Mai 337 taufen ließ, weil der gute Mann glaubte, dass mit der Taufe alle seine Sünden vor Gott abgewaschen würden. Die Ecclesia ging auch mit dem Sachsenschlächter Karl dem Großen ins Bett, in Aachen als Heiliger verehrt, ebenso mit Mussolini, Franco, und Hitler. Man nennt es zweitausend Jahre Heilsgeschichte. Millionen Menschen wurden den Machtinteressen dieser fabelhaften Braut Christi geopfert, ungezählte Frauen als Hexen verbrannt, um sich ihre Vermögen anzueignen. Das Blutgeld finden Sie investiert in Domen, Kirchen, märchenhaften Bischofspalästen, Monstranzen, Kelchen und Prunkgewändern, wie auch aus dem Handel mit Ablässen und Wallfahrten. Bis in die ersten Jahre des 18. Jahrhunderts wurde in Mainz ein Ei als Reliquie verehrt, welches der Heilige Geist gelegt haben solle.

Mein Buch Hitlers Päpste hält sich an historische Fakten. Bedenken Sie bitte, dass die Ermächtigungsgesetze Adolfs Hitlers nur eine Mehrheit im Reichstag fanden, weil die katholische Zentrumspartei, angeführt durch den Prälaten Ludwig Kaas, Professor für katholische Dogmatik der Universität Bonn, Intimus Kardinalstaatssekretär Pacellis, ab 1939 Pontifex maximus, als Pius XII. in die Geschichte eingehend, und die Bayerische Volkspartei, für die Ermächtigungsgesetze und damit für die Diktatur Hitlers stimmten. Die SPD stimmte dagegen, die Abgeordneten der KPD saßen bereits im Gefängnis, waren, wie Walter Ulbricht, in die UdSSR von Väterchen Josef Stalin geflohen oder ermordet.

Korfmacher
Was dürfen Ihre Leser erwarten, die es wagen, Hitlers Päpste zu lesen?

Franzen
Keine Erbauungsliteratur. Der Führer war Katholik bis zum letzten Tage seines Lebens, seine Kirchensteuer noch im April 1945 bezahlend, wahrscheinlich per Dauerauftrag.

Adolf Hitler, der berühmteste Österreicher aller Zeiten, in der arabischen Welt geschätzt und verehrt, wie Franz Beckenbauer, war Messdiener, wie Heinrich Himmler, der Hühnerzüchter, und wäre vielleicht Priester geworden. Aber da er kein Abitur hatte, konnte er weder Kardinal und Metropolit von Wien, Salzburg oder München und Freising werden, auch nicht der erste österreichische Papst, sondern nur Politiker und Reichskanzler des Großdeutschen Reiches. Aber er hat wahrscheinlich den Brief des Apostels Paulus an die Römer verinnerlicht, Kapitel 13, wo geschrieben steht: Jedermann sei untertan der Obrigkeit die Gewalt über ihn hat, denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott, wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung, die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen.

Adolf Hitler konnte sich in seiner Politik gegen die Juden auf die Päpste berufen, so auf Innozenz III. und das IV. Lateran-Konzil des Jahres 1215, auf dem die Heiligen Väter beschlossen, dass Juden einen gelben Stern tragen müssten, damit man sie gleich als Juden erkenne, es wurde ihnen verboten ein Gewerbe oder Handwerk auszuüben, aber sie erhielten das Monopol auf den Geldverleih, und wenn die Fürsten das Geld nicht zurückzahlen konnten oder wollten, meistens wollten sie nicht, wurden die Juden erschlagen, verbrannt, und das bis in die fabelhaften letzten Zeiten des Kirchenstaates unter Pius IX., der in der Regel nach den Frühmessen die Menschen auf der Piazza del Popolo enthaupten ließ, es gibt ein Foto, eines der ersten photographischen Bilder überhaupt, über diesen Akt der Nächstenliebe Pius IX. vom 24. November 1868. Solange ist das noch nicht her.

Das römische Ghetto wurde erst nach dem Zusammenbruch des Kirchenstaates aufgelöst, also 1870. Und im Übrigen: Naziverbrecher, wie Adolf Eichmann und Joseph Mengele, der Arzt von Auschwitz, gelangten mit Hilfe des Vatikans nach Südamerika. Der Leiter dieses Hilfsprogramms war Erzbischof Alois Hudal, und die Konzentrationslager im Gottesstaat Kroatien des Ante Pavelic, ein Vasall von Hitlers Gnaden, wurden von Franziskanern und Jesuiten geleitet, wo die Menschen, Juden und Serben, also Mitglieder der serbisch-orthodoxen Kirche vor allem, auf brutalste Weise abgeschlachtet wurden. Das schlimmste der Todeslager des katholisch-faschistischen Staates Kroatien war Jasenovac.

Korfmacher
Einer der sechs Romane, die Sie jetzt als erste von bisher vierzig oder mehr Romanen als E-Books ins Internet stellen, trägt den Titel Candide Voltaire, Band I. Was muten Sie in diesem Roman Ihren Leserinnen und Lesern zu?

Franzen
Ich mute meinen Lesern die erste Reise Candide Marie Voltaires, eines jungen Professors der Sorbonne de Paris und weiterer Bildungsinstitute, Autor des Buches Nicht diesen Gott und seine Priester, durch einige Länder Europas im Jahre 2010 zu. Die täglichen Absurditäten, die grenzenlosen Idiotien, die wir immerzu hören, lesen und sehen – mit dem Zweiten sieht man besser --, übertrifft die Fantasie jedes Bücherschreibers. Die Tinte ist ein Zündstoff. Und wie der Roman Candide des Philosophen der Aufklärung, Voltaire, beginnt auch mein Roman in Westfalen, genauer in Münster in Westfalen. Ich habe bereits acht Voltaire-Romane geschrieben, der neunte wächst und wächst um täglich drei Seiten, seit zehn Jahren schreibe ich täglich mindestens drei Seiten, tausende Seiten handgeschrieben. Mal sehen, wie viele ich noch bis zum Finale schreiben werde, denn der Stoff wird ja täglich geliefert, durch Politiker, Priester, Banker, die mit halben Wahrheiten und noch weniger nur so um sich werfen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht über alle Arten von Volksbeglückern. Es ist Absicht, dass die männliche Hauptperson meiner Voltaire–Romane Voltaire und nicht Merkel, Berlusconi, Hollande oder Benedikt heißen, die aber alle in meinen Voltaire-Romanen vorkommen. Es darf gelacht werden wie in der HeuteShow oder bei Dieter Nuhr. Ich würde Dieter Nuhr, meinen Lieblingsschriftsteller, nach Goethe, Schiller und Thomas Bernhard für den Nobelpreis vorschlagen, wenn es denn Sinn machte.

Korfmacher
Mit Ihrem Roman Der Maestro scheuen Sie sich nicht, ein weiteres heißes Eisen zu thematisieren, gewähren Einblicke in den Musikbetrieb, die grotesker nicht sein können. Enthält der Roman Autobiographisches?

Franzen
Nicht nur in dem Roman Der Maestro, auch in dem Roman Oktoberfest. Ich war Intendant (Generalmanager) und Verwaltungsdirektor der Münchner Philharmoniker, das Orchester trug in der Nacht des Dritten Reiches den Ehrentitel "Orchester der Hauptstadt der Bewegung" und der Chefdirigent zu dieser Zeit war Oswald Kabasta, der nach dem Heldentode der Lichtgestalt seines Lebens, des Führers, auch ned mehr leben hat wollen. Der Oswald Kabasta ging in Kufstein ins Gotteshaus, ein katholisches selbstredend, und wollt sich mit seiner Frau umbringen, er war eben ein katholisch-nationalsozialistischer Mensch, an Jesus von Nazareth und Adolf von Braunau glaubend, der Oswald Kabasta, wie so viele, ned wahr, wie auch der Metropolit von München und Freising, Michael Kardinal von Faulhaber, der im Wirken des Führers das Wirken der Allerheiligsten Dreifaltigkeit erblickte. Brief des Völkerapostels Paulus an die Römer, Vers 13.

Aber nur Kabasta starb, vielleicht mit einem Gebet für den Führer auf den Lippen, seine Frau war stark, zu stark und die Dosis war zu schwach, und darum versuchte sie es ein paar Monate später ein zweites Mal, diesmal mit mehr Erfolg. Rosamunde Pilcher lässt grüßen.

Korfmacher
Aber nicht Kabasta war zu Ihrer Zeit als Intendant Chefdirigent, sondern Sergiu Celibidache.

Franzen
Und darum heißt mein dirigierender Held in dem Roman Der Maestro auch Karabidache. Eine Gaudi, die sollt schon sein, denn der große Celibidache sah sich ja als Antipode des großen Herbert von Karajan, der nach dem Tode des Lieblingsdirigenten des Führers, Wilhelm Furtwängler, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker wurde, und nicht Celibidache, der ja gesagt, bitte, dass vor dem Wahlakt, dass er mehr als die Hälfte der Philharmoniker wegen Unfähigkeit in die Spree jagen würde. Das hatte zur Folge, dass mich manchmal Herbert von Karajan in der Berliner Philharmonie fragte: "Bitte, sagen Sie mir, was macht mein verrückter Freund und lästert er immer noch über mich, oder ist er müde geworden?"

Bitte, die schönsten Unterredungen zwischen Celibidache und mir waren die über die Verpflichtungen von Gastdirigenten, er ließ ja nur den toten Furtwängler gelten, alle anderen waren ja für ihn übelste Dilettanten, inklusive Toscanini, aber auch Furtwängler konnte für den Celi nur Beethoven, Bruckner konnte der Celi nur alleine. Und ich musste ja ab der Saison 1985/86 einen Saal mit 2.500 Plätzen füllen und das in hundert und mehr Konzerten, ich und nicht Celibidache. Sollte ich Peter Honecker oder Walter von der Vogelweide verpflichten?

Korfmacher
Und warum der Vorname Leonhard, warum nicht Hubertus oder Maximilian von Karabidache? Warum nicht Adolf? Adolf von Karabidache, das hat was.

Franzen
Denken S', bittschön an Leonard Bernstein, von dem Celibidache so wenig hielt, wie von Carlos Kleiber, Lorin Maazel, Karl Böhm, Eugen Jochum und alle die anderen, Carlo Maria Giulini, Solti, Muti und Metha, Abbado und Günter Wand, alles Menschen, die für Celibidache unmusikalischer nicht sein konnten, ich habe Kurt Masur vergessen.

Sergiu Celibidache wollte, dass ich seine Schüler verpflichte. Können S' sich das vorstellen? Einen Herbert von Unruh, Joseph Vilshofer und Antonius Schwertfeger? Bitte, die Namen sind jetzt von mir erfunden, aber allen Ernstes, die Gespräche mit Celibidache über die Verpflichtung von Gastdirigenten waren Sternstunden meines Lebens als Orchestermanager, und die Philharmonie am Gasteig ragte immer drohender vor meinen Augen auf. Der Saal ist der größte in Deutschland, 2500 Plätze. Nein, ich konnte es auch nicht den Philharmonikern zumuten, und hab's auch unterlassen, ich habe Giulini und Maazel, auch Eschenbach verpflichtet. Was lag näher? Ich hatte immer die Einnahmen im Blick, dazu war ich verpflichtet, die Haushaltsdebatten in Münchens Stadtrat waren weitere Sternstunden, wie eine Aufführung von Bruckners V. Symphonie oder des Deutsche Requiems von Johannes Brahms unter Sergiu Celibidache.

Übrigens, in meinem Buch Hitlers Päpste gibt's ein Kapitel, welches im Hause Wahnfried zu Bayreuth spielt. Die hohe Frau von Bayreuth, Winifred, Adolf Hitler und Wilhelm Furtwängler, dazu Joseph und Magda Goebbels im Gespräch, während draußen, am Grabe Wagners, die Helden der SS Totenwache halten. Ich kann Ihnen das Kapitel empfehlen. Das Kapitel könnten auch Thomas Bernhard oder Dieter Nuhr, neben Goethe, Schiller, Lessing und Voltaire einer der Autoren, deren Werke ich immer wieder in die Hand nehme und lese, geschrieben haben.

Korfmacher
Dieter Nuhr, ich kann's nicht glauben?

Franzen
Ich finde, dass Dieter Nuhr für seine Bücher Gibt es intelligentes Leben und Wer's glaubt wird selig den Nobelpreis und weitere Preise verdient hat, wie den Büchner-Preis oder den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Aber ich denke, als Düsseldorfer sind Sie ja mindestens ein so humorvoller Mensch wie der Kölner, sodass Ihnen mein Buch Der Maestro gefallen könnte.

Korfmacher
Aber böse ging's ja mit Ihnen in München zu Ende.

Franzen
Wundert's Sie? In Bayern treibt man seit Jahrzehnten Politik aus christlicher Verantwortung oder was Horst Seehofer dafür hält, und auch nicht wenige Sozialdemokraten sind dort noch Katholiken. Bitte, denken S' an den Katholischen Männerverein von Tuntenhausen, das sind glühende Fundamentalisten, von einem Gottesstaat Bayern träumend, wie die Piusbrüder oder der ehemalige Bischof von Augsburg, der gute Walter Mixa, indem man eine Abmahnung bekommt, wenn man die Sonntagsmesse versäumt. In Teheran wird das Freitagsgebet ja auch von Gottesmännern mit der Kalaschnikoff in der Hand gebetet.

Die Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X. in Zaitzhofen, Antisemiten und Holocaustleugner, sind gegen die Gleichberechtigung der Frauen, lehnen die Religionsfreiheit ab, sind für die Todesstrafe und beten täglich den "Freudenreichen Rosenkranz." Die einzige Frau, der sie ihre Inbrunst schenken ist die Gottesmutter Maria. Die Piusbrüder und die Muttergottesanbeter von Tuntenhausen träumen wahrscheinlich davon, dass nur der in den Gottesstaat Bayern einreisen darf, nachdem sie ihn mit Hilfe der Allerheiligsten Dreifaltigkeit gegründet, der das Glaubensbekenntnis, das katholische, sprechen kann. Stellen Sie sich bitte den Stau auf der A9 vor, wenn Sie auf die Bayerische Gottesstaat Grenze zufahren, den Freistaat Thüringen auf der Brücke der Deutschen Einheit verlassen wollend. Die Autos würden sich bis zum Hermsdorfer Kreuz stauen. Die DDR lässt grüßen

Bitte, Sachsen ist das Land der Konfessionslosen, 75,2 Prozent der Sachsen sind Atheisten, noch mehr Atheisten gibt's nur in Sachsen-Anhalt, ein Erbe der marxistischen Heilslehre. Aber haben die sächsischen Atheisten weniger Moral als die bayerischen Katholiken?

Auch in Bayern nimmt die Zahl der Ungläubigen zu. Bitte, im Jahre 1861 lebte in München ein einziger registrierter Lutheraner, aus Preußen kommend.

Ich habe mich trotzdem in München und Bayern wohlgefühlt, da selbst mal Katholik, und fünf Jahre waren ja Sergiu Celibidache und ich ein Herz und eine Seele. Bitte, der Celi und ich, wir aßen wenigsten einmal in der Woche im Austernkeller, in der Stollbergstraße und gingen auch gemeinsam zum Münchner Oktoberfest, bis dass er krank wurde und ich eine Todsünde begehend, für die USA/Kanada Tournee Lorin Maazel verpflichtete, obwohl ich ihn in Kenntnis gesetzt. Ich flog ja immerzu nach Paris, an sein Krankenlager in der Rue des Boissiere tretend, ihm sagend: Maestro, es wird schon wieder. Und er kam ja auch zurück und hat mich nicht mehr zur Kenntnis genommen, ich wurde zur Unperson, weil ich Lorin Maazel für die USA und Kanada-Tournee, wie auch die Schweiz Reise engagierte, dem der fabelhafte Georg Kronawitter,1985 Oberbürgermeister der Weißwurstmetropole, in einem Separee' bei Feinkost Käfer, das Restaurant der High Society, bereits die Nachfolge Celibidaches antrug, ich saß dabei, den Kronawitter Georg überrascht anblickend , auch Lorin Maazel war mehr als überrascht, die Offerte höflich und lächelnd ablehnend.

Korfmacher
Und warum mussten Sie gehen, Sie gingen immerhin nach Hamburg, wurden Manager des NDR-Symphonieorchesters?

Franzen
Ich war das Bauernopfer. Bitte, Politiker wie Frau Merkel, Helmut Kohl, Gerhard Schröder und wie sie alle heißen, könnten ja Friedhöfe mit ihren persönlichen Opfern belegen, wie die Mafia auf den Friedhöfen von Palermo. In meinem Roman Oktoberfest greife ich mein Münchner Ende autobiographisch auf, indem ich in einem der Kapitel den derzeitigen Stadtgewaltigen Ude – O'zapfts ists – mit dem fünften oder sechsten meiner Nachfolger einen Dialog führen lasse, in welchem dieser dem Intendanten Müller-Stolberg ( der Name ist frei erfunden) erzählt, wie das damals war, als man den Franzen aus dem Gasteig jagen musste, weil Celibidache gesagt: ich oder Franzen. Das ist wirklich böseste Realsatire, zum Lesen dringendst empfohlen, zum Beispiel für Studentinnen und Studenten die Kulturmanagement studieren. Das Kapitel sollte in den Lehrplan aufgenommen werden.

Herr Ude und ich waren ja in den achtziger Jahren Kollegen. Und er prangt ja auch auf dem Cover des Buches, gemeinsam mit den Lichtgestalten Stoiber, Beckenbauer, dem Kardinal Wetter und der Frau Dr. Gabriele Pauli. Sie erinnern sich noch an die schöne Landrätin, die Edmund Stoiber sträflich unterschätzte? Der Roman Oktoberfest spielt im Jahre des Herrn 2007, als Huber und Beckstein die Nachfolge Stoibers antraten, der Muttergottes von Altötting und Tuntenhausen für ihre Hilfe dankend, dabei waren es weder die Muttergottes von Tuntenhausen noch Altötting, sondern Frau Dr. Gabriele Pauli, die Landrätin aus Fürth, was für eine Frau, der sie hätten danken sollen.

Korfmacher
Haben Sie nicht den ersten Sponsor-Vertrag in Deutschland zwischen einem Orchester und einem Industrieunternehmen zustande gebracht?

Franzen
In der Tat eine Tat, die den Anfang vom Ende meiner Karriere in München einläutete. Ich habe ja mit Celibidache Jahre wunderbar zusammengearbeitet. Aber ich konnte die Amerika-Tournee, ermöglicht durch Ronald Wilford, den Präsidenten of Columbia Artists New York, damals der mächtigste Musikagent der Welt, Manager Herbert von Karajans, nicht absagen. Alle Tourneen europäischer Spitzenorchester in die USA und Kanada wurden von der Columbia durchgeführt, die Berliner wie die Wiener Philharmoniker inklusive. Hätte ich abgesagt, wären die Münchner Philharmoniker bis heute nicht in New York aufgetreten. Ich musste die Reise München New York finanzieren, von New York durch die USA wurde alles durch die Veranstalter übernommen. Wir hatten alleine vier Konzerte in New York und der Vorstandsvorsitzende der AUDI AG, Dr. Habbel, bot mir einen Fünfjahresvertrag an, mit einer Laufzeit von 1985 bis 1990. Sie glauben nicht, wie schnell etwas gehen kann, wenn sie mit dem Manne ganz oben verhandeln können, über dem nur der bayerische Himmel ist, in den Farben weiß und blau. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Habbel fragte mich in Anwesenheit Horst-Günther Wackers, des Mehrheitsgesellschafters der Wacker-Chemie -- Horst Wacker war Vorsitzender der "Gesellschaft der Freund und Förderer der Münchner Philharmoniker", von mir ins Leben gerufen -- nur: wie viel Geld brauchen Sie?

Korfmacher
Und daraus drehte Ihnen Kronawitter einen Strick, der Maazel die Nachfolge Celibidaches angetragen?

Franzen
Bitte, wer ist glaubwürdiger als ein Politiker, höchsten noch ein Pfaffe, der ihnen die ewige Seligkeit verspricht, aber nur wenn sie die Kirchensteuer pünktlich zahlen. Es ist erstaunlich, wie viele Orte in Bayern Pfaffenhofen oder Pfaffenhausen heißen, es gibt sogar eine Gegend die Pfaffenwinkel genannt wird, westlich vom Ammersee. Denken Sie bitte an die goldenen Worte Konrad Adenauers, der zu sagen pflegte: Herr Wehner, was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.

Herr Kronawitter hatte die Wahl zwischen Celibidache und Franzen und entschied sich für Celibidache, der mir keine Chance gab, die Situation zu erklären, dabei hatte ich im Jahre 1981 Celibidache vor den Volksvertretern gerettet, die nach zwei Jahren genug von ihm hatten, die Nase gestrichen vollhabend von seinen Kapriolen.

"Wos, wir sollen beschlossen haben, Franzen, dess die Stadtstreicher so viel Geld bekimmen wie die Rundfunksymphoniker? Mir doch ned. Aber gehen S', mir haben a Scherz gemacht, Sie Preuß Sie. Sie sein S' doch a Saupreuß oder ?"

Korfmacher
Sie retteten 1981 Celibidache vor dem Rauswurf?

Franzen
Das klingt absurd, aber was ist nicht in dieser besten aller Welt absurd? Wenig! 1981 war Celibidache mitnichten der große Guru. Nach dem Tode Rudolf Kempes im Jahre 1976 standen auf der Wunschliste der Stadtmachthaber ganz andere Namen, anfangend mit A = Abbado und endend mit S = Solti. Wenn diese Herrn nach München kamen, dann zu den Symphonikern des Bayerischen Rundfunks: die Bernstein, Giulini, Metha, Muti. Als alle gefragt und alle ironisch lächelnd abgesagt, fiel der Name Celibidache, der sich mit allen überworfen, nur noch nicht mit dem Rundfunksymphonieorchester Stuttgart und seinem Hauptabteilungsleiter Dr. Tomek.

Celibidache kam, machte eine Probe, ließ die Damen und Herrn - der Kiesl Erich pflegte meine Stadtstreicher zu sagen - eine Stunde lang nur den Kammerton A wie Anton spielen, und danach den Kiesl wissen lassen, Kiesl war der einzige Oberbürgermeister der CSU, der für eine Amtsperiode den OB spielen durfte, Franz Joseph Strauß sagte nicht OB Kiesl, sondern OW Kiesl, dass er geruhe sich der Kapelle anzunehmen, mit Kiesl einen Vertrag wie auf dem Pferdemarkt eines rumänischen Dorfes machend, die Herren gaben sich die Schwurhand.

Korfmacher
Es gab keinen schriftlichen Vertrag? Sie machen doch einen Ihrer grausamen Scherze, oder?

Franzen
Das Leben schreibt die besten Satiren, die Herren Kiesl und Celibidache besiegelten in der Tat ihre Hochzeit wie auf einem Pferdemarkt in Galizien zu Zeiten der apostolisch-katholischen Majestät des Kaisertums Österreich, Kaiser Franz Joseph I., dem Sissi-Kaiser, Marionette der Erzbischöfe von Wien, Prag, Budapest und Olmütz , der sich rühmte, in seinem ganzen Leben kein Buch gelesen zu haben, im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit regierend. Aber denken Sie an Frau Merkel. Auch sie hat ja bei ihrem Amtseid geschworen, dass Gott ihr doch bitte beim Regieren beistehen möge. Bitte, wer bedient da nicht seine Lachmuskeln.

Aber zurück zu Celibidache und Kiesl. Ich war acht Tage im Amt, im Mai 1981, holte Celibidache in Stuttgart ab, Kollege Tomek, der Manager des Südfunks, war sichtlich erleichtert als ich auf der Szene erschien, und als wir bei Echterdingen auf die Autobahn fuhren, sagte Celi: ich will Ihnen nur mitteilen, dass ich München verlasse. Und wir fuhren zum Airport München, und er flog nach Paris, dabei hatte er Konzerte zu dirigieren, eine Probewoche stand an, denn Celibidache probte ja ohne Ende, acht Tage für ein Konzertprogramm. Was Fabio Luisi oder Maazel in zwei Proben schaffen, dafür brauchte Celibidache, wie Günter Wand, zehn Proben, auch mehr, dabei spielen ja die Meister ihres Instrumentes, die Orchestermusiker, Damen wie Herren, die Werke vorwärts und rückwärts, auch im Halbschlaf. Bitte, was sagt denn ein Wiener Philharmoniker, wenn du ihn fragt, wie denn der Maestro des Abends dirigiere? Er lächelt dich an, wie nur ein Wiener lächelt, und sagt dir, es ist egal wie dieser Meister dirigiert, wir spielen unseren Mozart, Beethoven und Bruckner, auch den Schubert Franzl. Was ist denn, bittschön, entlarvender.

Korfmacher
Ja, und was machten Sie? Das war ja nach acht Tagen bereits Ihre erste Krise, eine echte Bewährungsprobe?

Franzen
OW Kiesl hatte nicht im Traume gedacht, die Celibidache gemachten Zusagen einzuhalten, die bei dem Handschlag ja auch besprochen wurden, die Aufstockung des Orchesters, die Angleichung an das Gehaltsgefüge des BR-Symphonieorchester.

Ich ging zu Kiesl, mit einem Telegrammtext in der Hand, des Lutherwortes gedenkend und wenn morgen die Welt untergeht, will ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen, und Kiesl, der aus christlicher Verantwortung Politik gestaltende, sagte: Wenn der Celi ned nach diesem Telegramm zurück kimmt, dann wors des, bittschön. Und Sie suchen einen Nachfolger. I werd ja nimma.

Ich sprach auch des Öfteren mit Kiesl auf der Ehrentribüne des Olympia Stadions. Aber es war nur sinnvoll, mit ihm über seine Philharmoniker zu sprechen, wenn die Beckenbauer Buben gewannen. Ich bin bis heute ein Fan des FC Bayern München.

Korfmacher
Und der Maestro kam zurück.

Franzen
Er kam zurück und ich ging nicht ihm von Pontius zu Pilatus, sondern in die Fraktionen von CSU,SPD, FDP und Grüne, den einstimmigen Beschluss der Fraktionen aus dem Jahre 1979 thematisierend, wir schrieben ja schon Anno Domini 1981, und nur mühsam konnten sich die Stadtmütter und Stadtväter an ihren Beschluss noch erinnern. Ich musste wirklich Überzeugungsarbeit leisten, aber ich war ja trainiert, zwischen dem Stadtrat Hildens und Münchens gab's ja kaum einen Unterschied, nur die Figuren waren andere, die Grabenkämpfe erheiternd für Menschen mit starken Nerven, hier wie dort.

Korfmacher
Sind Ihnen starke Nerven angeboren?

Franzen
Ohne ein starkes Nervenkostüm kann man einen solchen Job nicht machen, aber sagt Ihnen der Name Sathya Sai Baba etwas? Nein? Celibidache stellte diese Frage an OB Kiesl, den in Pfarrkirchen Niederbayern am 26.Februar 1930 geborenen, der immerzu sagte: "I mog d' Leit und d'mögn mi." Kiesl war Messdiener, wie Adolf Hitler, Heinrich Himmler und die Gebrüder Ratzinger aus Marktl am Inn, der eine Domkapellmeister a.D., der andere ist Pontifex. Hätte Hitler das Abitur gemacht, wäre er wahrscheinlich, wie ich schon sagte, Priester und Kardinalerzbischof von Wien geworden, so aber, ohne Abitur, konnte er nur Politiker und Reichskanzler werden.

Korfmacher
Und Sai Baba?

Franzen
Celibidache sagte zu Kiesl. "Herr Oberbürgermeister Sai Baba ist ein Gott." Bitte, wir sprechen von dem indischen Guru Sathys Sai Baba, den der Chefexorzist des Bischofs von Rom, unseres Benedikt, Padre Gabriele Amorth, der nach eigenen Angaben bereits mehr als 70.000 Teufel ausgetrieben, mehrheitlich aus Frauen, für Pfaffen sind ja immer nur die Frauen vom Teufel besessen, als den "erstgeboren Sohn Satans" bezeichnete, am 24. April 2011 sterbend, ob Sai Baba anschließend in den Himmel aufgefahren ist, wie Jesus von Nazareth und seine vergöttlichte Mutter Maria, die ja auch mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, siehe das Dogma Pius XII. aus dem Jahre 1950, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Ich war im Stadion von Bombay, so Celibidache zu Kiesl und den Spitzen der CSU-Fraktion, und dann erschien Sai Baba, aber das war nicht das Wunder. – Nicht das Wunder, Maestro? – Das Wunder war, dass Sai Baba zur gleichen Zeit an vierzig weiteren Orten Indiens den Menschen erschienen ist, Herr Oberbürgermeister, in Kalkutta, Madras usw..

Ich darf Ihnen versichern, dass OB Kiesl und die Spitzen der CSU-Fraktion das Gehörte weder fassen konnten noch wollten, obwohl ihnen ja die Wunder Jesus von Nazareths durchaus bekannt, so das Weinwunder auf der Hochzeit zu Kanaa in Galiläa, und was der Wunder, berichtet von den Evangelisten, mehr waren, die Auferweckung des Lazarus von den Toten wollen wir auch nicht vergessen. Die Herren staunten mit offenem Munde.

Bitte, Politikern der CSU, die im Freistaat Bayern Karriere zu machen gedenken, empfiehlt es sich, wenigsten einmal im Jahr zur Muttergottes von Tuntenhausen zu pilgern. Schon seit dem Jahre 1441 wird in Tuntenhausen die Patronin Bavariae verehrt, ein ganz besonderer Ort. In der Basilika minor predigten und predigen die Großen der CSU und es war, ist und kann kein Fehler ned sein, wenn du zur Kanzel emporschaust, wo schon Alois Hundhammer, Franz Josef Strauß, der Stoiber Edmund und der Seehofer Horst predigten, und wo die Aigner Ilse keine Chance haben dürfte auf die Kanzel zu steigen und zu sagen: mir san mir und Gott mit uns im Land der Bayern und i will Ministerpräsidentin werdn."

Korfmacher
Darf ich einen Sprung von Tuntenhausen nach Hamburg vorschlagen, von Ilse Aigner über Sergiu Celibidache zu Günter Wand?

Franzen
Ich stehe mit Günter Wand vor dem Liebermann Studio des NDR, der ja eine späte Karriere gemacht hat, eine Weltkarriere, bis 1974 Gürzenich-Kapellmeister.

"Ich wollt Ihnen noch sagen, Herr Franzen, dat ich Ihnen einen Krankenschein bringe."

"Sie bringen mir einen Krankenschein, Herr Wand?

"Sie haben mir die Psalmensinfonie aufs Auge jedrückt. Und die will ich nit machen."

"Herr Wand, Sie sind Chefdirigent des NDR."

"Ja eben, und darum bring ich Ihnen einen Krankenschein, und dann können Sie den Eschenbach engagieren."

"Ja, aber Herr Wand, ich verstehe Sie nicht."

" Wieso verstehen Sie mich denn nit?

"Sie sind Chefdirigent des NDR, Sie sind doch kein Angestellter im herkömmlichen Sinne."

"Dat bin ich nit, sind Sie sicher?"

"Absolut. Und was wollen Sie an Stelle der Psalmensinfonie dirigieren?"

"Bruckner, wenn et jeht."

"Die V., VII. VIII. oder IX. Symphonie."

"Die kann ich mir aussuchen, Herr Franzen?"

"Sie allein entscheiden, Herr Wand."

"Dann mach ich die Neunte."

"Wunderbar, Herr Wand, und vorher Mozart oder Schubert?"

"Vorher mach ich die Unvollendete. Dat Programm, dat mach ich auch mit den Berliner Philharmonikern nächste Woche, in Berlin."

Korfmacher
Bitte noch eine Anekdote.

Franzen
Joseph Kardinal Frings, Metropolit von Köln, war nicht nur ein frommer Beter und höchster Vergeber aller nur denkbaren Sünden seiner Erzdiözesanen, ob weiblich oder männlich, sondern auch Geiger, mit einem Gürzenich-Abonnement gesegnet, und als Wand sich scheiden ließ, dat war damals im heiligen Kölle noch eine Affäre, worüber jesprochen wurde, gab der Kardinal sein Abonnement zurück mit den Worten: "Ich gehe nicht in Konzerte, die von einem Ehebrecher dirigiert werden."

Korfmacher
Bitte noch eine Anekdote

Franzen
"Ich brech die Probe ab, Herr Franzen, ich fahr nach Haus, zu meiner Frau, der Anita."

"Sie brechen die Probe, ja aber was ist der Grund? Fühlen Sie sich nicht wohl, Herr Wand."

"Doch, dat schon, aber dat ist ne Unverschämtheit von den Blechbläsern, die lesen Pornohefte während der Probe."

"Pornohefte, Herr Wand?"

"Pornohefte, dat bin ich doch am Sagen. Ich erklär denen dat Tempo des Trauermarsches aus der Erotika und die lesen die St.Pauli Nachrichten. Wat ist denn dat für ein Niveau, dat ist ja furchtbar."

"Sie meinten die Eroica, Herr Wand."

"Die Erotika, dat hab ich doch jesagt."

"Es ist ein Buchstabe zu viel."

"Ein Buchstabe? Wat denn für ne Buchstabe?"

"Das t wie Theodor."

Korfmacher
Vier Jahre mit Günter Wand, und danach Leipzig.

Franzen
Ich war mit dem NDR-Symphonieorchester auf Tournee in Italien. Krzysztof Penderecki, den ich zum Principal Guest Conductor gemacht, leitete die Tournee, und ich las in der Süddeutschen dass Udo Reiter Gründungsintendant des MDR geworden. Wir kannten uns auch München. Ich kam in mein Büro und meine Sekretärin sagte, eine Frau Sommerey aus Leipzig hat angerufen, die Hörfunkdirektorin, sie ruft gleich wieder an.

Korfmacher
Und das tat Sie.

Korfmacher
In der Tat, das tat sie und ich flog am nächsten Tag nach Leipzig. Ich kannte Leipzig, denn ich war 1981 in Leipzig auf Einladung Kurt Masurs, das Paradies sah anders aus.

Korfmacher
Und Frau Sommerey, die Hörfunkdirektorin?

Franzen
Machte mir ein Angebot welches ich nicht abschlagen konnte, und nach zehn Minuten tranken Frau Sommerey, Herr Reiter und ich ein Erdinger Weißbier. Ich habe den Sprung von Hamburg nach Leipzig bis heute nicht bereut und bin auch nach meinem altersbedingten Ausscheiden in der Stadt geblieben, die von Jahr zu Jahr schöner wurde.

Korfmacher
Kommen wir noch einmal auf Ihre literarischen Aktivitäten zurück. Sie veröffentlichen 2005 und 2006 bei Brilliant Books in München die Bücher Mord im Konklave und Mozarts Tod im Goldener Hirsch zu Salzburg 1851.

Franzen
Im Jahre 2008 schrieb ich den Roman Hitlers Päpste und habe meinen Stil nochmals geändert, es machte Klick und es war so. Ich habe darum auch diese Romane überarbeitet. Die stilistische Neufassung habe ich auch zu einer weitgehend neuen Thematik genutzt. In dem Roman Mord im Konklave habe ich das Konklave des Jahres 2005 vollkommen neu geschrieben, mich an die Konklaven des Jahres 1978 thematisch anlehnend, indem sich das konservative und liberale Lager unter den Kardinälen, personalisiert in den Figuren Siri und Benelli, eine Pattsituation lieferten, die Kompromisskandidaten waren Albino Luciani, der Patriarch von Venedig, im ersten und Karol Wojtyla, der Metropolit von Krakau, im zweiten Konklave, als Johannes Paul I. und II. Bischöfe von Rom werdend und in die Geschichte eingehend. Die Geschichte der Päpste und ihrer Kirche ist für jeden geschichtlich interessierten Menschen von denkbar größter Faszination, eine Kriminalgeschichte ohnegleichen. In der Neufassung stelle ich Ratzinger, dem Kämpfer gegen den Relativismus, die Romanfigur Odilio Kardinal Oddi gegenüber, der liberale Position vertritt, die Ordination der Frauen, den Zölibat ad libitum und die Aufgabe des päpstlichen Primates.

Korfmacher
Der Verlagsname Edition Voltaire lässt anspruchsvollste Literatur erwarten. Sie haben den Verlag 2012 gegründet, und im Mai erstmals Literatur-Tage in Eisenach veranstaltet.

Franzen
Als ehemaliger Kulturmanager wollte ich mich nicht Verlegern und Agenten des Literaturbetriebs ausliefern Schon immer haben Schriftsteller und Komponisten eigene Verlage gegründet. Marketing und Vertrieb der Edition Voltaire liegen bei der Cm Reimann GmbH Berlin. Mit Hans Reimann, dem Inhaber, habe ich bereits den MDR-Musiksommer in den Jahren 1992 bis 1998 zu einem der größten und bedeutendsten Musik-Festivals nicht nur Deutschlands, sondern Europas aufgebaut, wenig ist davon geblieben, der MDR setzte ab 1999 andere Prioritäten. Hans Reimann war verantwortlich für die technische Durchführung der Konzerte an den Spielorten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, besonders der Open-Air Konzerte. Ohne Hans Reimann wäre der MDR-Musiksommer in meiner Konzeption nicht möglich gewesen. Mit Hans Reimann habe ich auch die MDR-Konzerte für Papst Johannes Paul II. 1993 und 1998 als technischen Leiter möglich gemacht, wie auch Event- Konzerte in der Sixtinischen Kapelle und dem Cortile Ottagono des Vatikans.

Ich denke, weder Goethe, Schiller, Kleist, Heine noch Büchner hätten heute eine Chance in Deutschland verlegt zu werden, zu anspruchsvoll würden die Agenten und Verleger in München, Hamburg und Berlin sagen. Und darum verlege ich mich selbst, was nachvollziehbar, wenn man die Literaturszene kennt, nicht zuletzt das E-Book macht es möglich.